Transformationsprozesse in der Mark Brandenburg I wissenschaftliches Kolloquium I 12. November 2021
Die Mark Brandenburg wird in der Umbruchszeit vom 15. zum 16. Jahrhundert, in der sich mehrere, miteinander verwobene Transformationsprozesse ereigneten, vergleichend mit anderen Reichsterritorien betrachtet. Vier große Transformationsprozesse stehen im Vordergrund: der sich wandelnde Adel, die Neuerungen im Militärwesen, die Durchdringung von Regierung und Verwaltung mit Gelehrten sowie die Reformation. Gefragt wird nach den handelnden Akteuren, die das Ob und Wie des Wandels verantworteten. Transformationsprozesse in der Mark Brandenburg im interregionalen Vergleich (15. und 16. Jahrhundert) Die Mark Brandenburg als „Streusandbüchse des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ wird gemeinhin nicht als Impulsgeber oder Innovationsraum in der deutschen Geschichte gesehen, da – so das Narrativ der Forschung – in ihr lediglich Entwicklungen aus anderen Territorien in unterschiedlichen Geschwindigkeiten aufgenommen wurden, die zu einer „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“ (Ernst Bloch) führten. Doch wie steht es um diese in breiten Kreisen wahrgenommene und vielfach postulierte Rückständigkeit? Hält die These von der rückständigen Mark Brandenburg dem historischen Vergleich mit anderen Regionen stand? Da sich – so die Grundannahme – Fortschritt oder Verspätung am eindrücklichsten in Transformationsprozessen offenbaren, soll dem Entwicklungsgrad der Mark Brandenburg in der Übergangsphase vom Spätmittelalter in die Frühe Neuzeit anhand von ausgewählten Transformationsprozessen im 15. und 16. Jahrhundert nachgegangen werden. Dazu wird mit der Tagung das Postulat der modernen Landesgeschichte aufgegriffen, Räume interregional zu betrachten, wobei vier große Themenfelder im Vordergrund stehen werden: Adel und sozialer Wandel, Militär, Regierung und Verwaltung sowie das Kirchenwesen. In diesen vier Untersuchungsgebieten wird anhand von themenspezifischen (großen) Transformationsprozessen die Mark Brandenburg mit jeweils zwei anderen Territorien und deren Entwicklung verglichen. Dadurch lassen sich bisher isoliert regional verortete Impulse und Akteure in einen wesentlich größeren Bezugsrahmen stellen.
Tagungsprogramm
Freitag, 12. November 2022
0:05 Sektion 3 | Regierung und Verwaltung | Moderation Prof. Dr. Michael Scholz (Potsdam)
5:00 Bürokratisierung und Institutionalisierung als Herrschaftsmodernisierung: Kursachsen (1456–1571) | Prof. Dr. Uwe Schirmer (Jena)
54:08 Sektion 4 | Kirchenwesen | Moderation Prof. Dr. Klaus Neitmann (Berlin)
1:01:40 Kirchlicher Wandel in der Mark Brandenburg vom 15. zum 16. Jahrhundert – ein wichtiges Kapitel aus der Geschichte von Gottes ›notorischem Lieblingslande‹ | PD Dr. Andreas Stegmann (Berlin)
2:07:35 Subjekt, Primat, Objekt. Das Erzbistum Magdeburg zwischen Dynastisierung und Reformation | Dr. Uwe Folwarczny (Berlin) Kaffeepause
3:01:43 Kirchenreform und Reformation im ernestinischen Sachsen – aus akteurszentriert-institutionalistischer Perspektive | PD Dr. Stefan Michel (Dresden)
4:03:17 Abschlussdiskussion | Statement & Moderation Prof. Dr. Heinz-Dieter Heimann (Paderborn)