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Berlins Weg in die Moderne | wissenschaftliche Tagung I 28. September 2023

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Berlin als Laboratorium der Moderne: Das gilt nicht nur für das Berlin der Weimarer Republik, sondern ebenso für das der Kaiserzeit. Neue Industrien und Vergnügungen, rasantes Wachstum der Stadt, provokante kulturelle Avantgarden, Infragestellung von Geschlechterrollen – all dies stand in scharfem Kontrast zum Konservatismus der wilhelminischen Eliten. Inwieweit der Einzug der Moderne in Berlin durch die koloniale Expansion des Kaiserreichs forciert wurde, ist bislang kaum untersucht worden. Dies gilt umso mehr für frühere materielle und immaterielle Verflechtungen der Stadt mit kolonialisierten Räumen. Seit dem 18. Jahrhundert gelangten von den Seehäfen über die märkischen Kanäle immer mehr Rohstoffe, Heilpflanzen und Genussmittel (wie Tabak) aus Kolonialräumen ins konsumierende Berlin. Damit durchdrangen koloniale Fantasien und Sehnsüchte alle Sphären der Stadt. Ab den 1880er-Jahren sorgte das Kaiserreich für ‚eigene‘ koloniale Gebiete. Die Spekulationen Berliner Investoren, das Kalkül der EDEKA-Gründer und die Treptower Kolonialausstellung gestalteten den Berliner Stadtraum um. In dem Raum enthaltene Selbst- und Fremdbilder offenbarten sich durch die Kolonialfotografie, zeigten sich in der ersten ‚schwulen‘ Zeitschrift der Welt sowie in den Sammlungen des Museums für Völkerkunde. Im Mittelpunkt der Tagung standen Akteur*innen sowie Zeugnisse in Berlin und den Kolonien, wo meist erzwungene Arbeit der einheimischen Bevölkerung zentrale Voraussetzung für den Aufstieg Berlins war.

Tagungsprogramm

0:00 Grußwort der Vorsitzenden der Historischen Kommission zu Berlin e.V. (Prof. Dr. Ulrike Höroldt)
11:23 Begrüßung (Prof. Dr. Klaus Weber)

20:03 Keynote Lecture | Berlin, eine Reichshauptstadt und koloniale Metropole. Akteure, Medien und Selbstdarstellungsmuster 1683–1918 (Prof. Dr. Albert Gouaffo, Dschang)

1:01:22 Panel 1 | Berlin in kolonialen Netzwerken der Frühmoderne (Moderation Felix Töppel M.A., Frankfurt/Oder)
1:06:14 Von Yucatán nach Berlin. Preußische Wirtschaftspolitik aus der Perspektive des Farbstoffhandels, circa 1720–1764 (Dr. Jutta Wimmler, Bonn)
1:23:25 ‚Lokalflora‘ und ‚exotische Gewächse‘. Carl Ludwig Willdenow und der Königliche Botanische Garten Berlin-Schöneberg zu Beginn des 19. Jahrhunderts (Sophia Spielmann Lic., Berlin)
1:38:37 Mit Pickelhaube und Marschmusik. Afrikanische Musiker in der königlich-preußischen Armee, 1713–1918 (Dr. Thomas Weißbrich, Berlin)
1:55:10 Kommentar (Prof. Dr. Sven Trakulhun, Hamburg)

2:14:16 Panel 2 | Berlin im Schnittpunkt kolonialer Warenströme Moderation Samuel Eleazar Wendt M.A. (Frankfurt/Oder)
2:18:07 Koloniale Fantasien und koloniale Geschäfte. Berliner Kolonialunternehmen in Kamerun, 1884–1914 (Dr. Tristan Oestermann, Berlin)
2:37:49 Brillante Metropole? Wirtschaftliche Globalisierungsprozesse, Akteure und Sehnsüchte am Beispiel des Diamantenhandels in Berlin, 1908–1918 (Mona Rudolph M.A., Kiel)
2:55:06 Sansibar als Sehnsuchtsort Berliner Gelüste. EDEKA-Gründung und Relevanz des Handelsimports aus Deutsch-Ostafrika (Vera-Felicitas Mayer B.A., Berlin)
3:10:51 Kommentar (PD Dr. Felix Brahm, Münster)

4:18:12 Podiumsdiskussion | Umstrienes Erbe – Orte, Strategien und Herausforderungen (post-)kolonialer Erinnerungsarbeit in Berlin (Moderation Lilja-Ruben Vowe M.A., Berlin) mit: Dr. Ibou Diop (Berlin), Prof. Dr. Albert Gouaffo (Dschang), Dr. Jan Hüsgen (Magdeburg), Dr. Frauke Miera (Berlin)