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Berlins Weg in die Moderne | wissenschaftliche Tagung I 29. September 2023

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Berlin als Laboratorium der Moderne: Das gilt nicht nur für das Berlin der Weimarer Republik, sondern ebenso für das der Kaiserzeit. Neue Industrien und Vergnügungen, rasantes Wachstum der Stadt, provokante kulturelle Avantgarden, Infragestellung von Geschlechterrollen – all dies stand in scharfem Kontrast zum Konservatismus der wilhelminischen Eliten. Inwieweit der Einzug der Moderne in Berlin durch die koloniale Expansion des Kaiserreichs forciert wurde, ist bislang kaum untersucht worden. Dies gilt umso mehr für frühere materielle und immaterielle Verflechtungen der Stadt mit kolonialisierten Räumen. Seit dem 18. Jahrhundert gelangten von den Seehäfen über die märkischen Kanäle immer mehr Rohstoffe, Heilpflanzen und Genussmittel (wie Tabak) aus Kolonialräumen ins konsumierende Berlin. Damit durchdrangen koloniale Fantasien und Sehnsüchte alle Sphären der Stadt. Ab den 1880er-Jahren sorgte das Kaiserreich für ‚eigene‘ koloniale Gebiete. Die Spekulationen Berliner Investoren, das Kalkül der EDEKA-Gründer und die Treptower Kolonialausstellung gestalteten den Berliner Stadtraum um. In dem Raum enthaltene Selbst- und Fremdbilder offenbarten sich durch die Kolonialfotografie, zeigten sich in der ersten ‚schwulen‘ Zeitschrift der Welt sowie in den Sammlungen des Museums für Völkerkunde. Im Mittelpunkt der Tagung standen Akteur*innen sowie Zeugnisse in Berlin und den Kolonien, wo meist erzwungene Arbeit der einheimischen Bevölkerung zentrale Voraussetzung für den Aufstieg Berlins war.

Tagungsprogramm

0:00 Panel 3 | Berlin als Ort der Kolonialpolitik und Wissensproduktion (Moderation Johannes Bent M.A., Tallin)
4:29 ‚Vom Wehen der Postflage‘ – Das Berliner Volksblatt positioniert sich im Dampfersubventionsstreit 1884/85 (PD Dr. Christian Dietrich, Halle/Saale)
22:08 Kommentar (Dr. Maria Rhode, Göttingen)

1:06:05 Panel 4 | Berliner Sehnsüchte und die Bilder der ‚Anderen‘ (Moderation Lilja-Ruben Vowe M.A., Berlin)
1:09:41 Chromatografische Kulissen. Bildpostkarten der Ersten Deutschen Kolonial-Ausstellung 1896 in Berlin (Daniel Jankowski M.A., Braunschweig)
1:26:33 Sehnsuchtswaren aus der Kiste. Zur Darstellung von afrikanischen Trägerkarawanen und ihren Berliner Auftragebern in der Kolonialfotografie (Dr. Anne Peiter, La Réunion)
1:39:52 Koloniale Sehnsüchte männerbegehrender Männer in Der Eigene – erste ‚schwule‘ Zeitschrift der Welt (Leo Ryczko M.Ed., Berlin)
1:59:47 Kommentar (Dr. Dörte Lerp, Berlin)

3:01:50 Panel 5 | Berlin als Zentrum musealer Sammlung: Kulturgüter, Mission und ‚Beutekunst‘ (Moderation Felix Töppel M.A., Frankfurt/Oder)
3:06:00 The Mobilization of Slave Labor and the Collection of Art Works Held at Ethnologisches Museum Berlin. Two Aspects of Exploitation under the German Protectorate in Kamerun (1884–1916) (Dr. Sylvain Mbohou, Maranhão)
3:26:00 Missionsgesellschaften als Akteure der Kolonial-Moderne. Das Beispiel Deutschland und Kamerun (Dr. Richard Tsogang Fossi)
3:41:54 Kommentar (Dr. Andrea Meyer, Berlin)

4:18:26 Zusammenfassung (Prof. Dr. Klaus Weber, Frankfurt/Oder) Verleihung des HiKo_21 – Nachwuchspreises 2023

4:45:46 Grußwort (Prof. Dr. Ulrike Höroldt, Berlin)
4:54:58 Laudatio (Dr. Hanno Hochmuth, Potsdam)
5:06:18 Die ‚Stadt […], in der von aller Welt Enden die Fäden zusammenlaufen‘. Netzwerke Berliner Lehnstuhlanthropologen um 1900 (Lydia Bucher M.A., Jena)